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.: Der abgebrochene Prozess im April 2011
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Justice pour Kalinka



 Der abgebrochene Prozess im April 2011

Untenstehend eine kurze Zusammenfassung dieser Tage.

Der Prozess beginnt am 29. März 2011 Er wird jedoch schon am 4. April 2011 abgebrochen, da D. Krombach Herzbeschwerden geltend macht. Die Architektur des Gerichtsaales ist imposant; das Publikum befindet sich him hinteren Teil des Saales, vorne sitzt das Gericht : die Gerichtspräsidentin Xavière Simeoni, zu ihrer linken und rechten Seite zwei Richter und zwei Beisitzer, neun Geschworene, mehrere Gerichtsschreiber.

Links vor dem Gericht die Zivilparteien : A. Bamberski mit seinen zwei Anwälten, Maître (Meister) Gibault und Maître de Caunes ; die ehemalige Frau von A. Bamberski, Danielle Gonnin mit ihrem Anwalt, Maître Bara-Bruguière ; hinter ihnen der Vertreter des Staatsanwalts (avocat général). Rechts vor dem Gericht befindet sich D. Krombach in seiner Glasbox, vor ihm – ausserhalb der Box – seine zwei Anwälte, Maîtres Levano und Ohayon, sowie ein Uebersetzer für D. Krombach, der auch selbst französisch spricht. In der Mitte der Zeugenstand.

Erster Tag : Legitimität des Prozesses
Es um die Legitimität des Prozesses, die die Anwälte D. Krombachs bestreiten. Ihre Argumente : die Sache sei in Deutschland schon gerichtet worden, und D. Krombach, Opfer Bamberskis Rachsucht, sei illegal nach Frankreich verschleppt worden. Die Antwort des Gerichts : die Affäre ist in Deutschland nicht gerichtet worden ; die Entführung war eine privater Akt, der den Staat nicht daran hindert in der Sache rechtzusprechen.

Zweiter Tag : Beginn des eigentlichen Prozesses
Vorsichtshalber holt die Gerichtspräsidentin bei einem Kardiologen und medizinischen Experten, Herr Dr. Bernard, einen medizinischen Befund bezüglich Krombachs Gesundheitszustandes ein. Letzterer behauptet nämlich, ohne entsprechende Beweise zu liefern, er leide an einer Herzkrankheit. Auch erklärt er er habe schon vier Herzinfarkte gehabt. Herr Dr. Bernard kann jedoch keine Spur der besagten Infarkte feststellen, und findet Krombachs Gesundheitszustand für sein Alter zufriedenstellend. Ein zweiter Experte kommt zum gleichen Schluss und findet auch D. Krombach geniesse in seiner Haft eine ausgezeichnete Behandlung.

D. Krombach über sich selbst
Das Gericht bittet D. Krombach sein Leben kurz zu erzählen. Krombach, der die Glasbox des Geschworenengerichts täglich an einem Stock gehend und gebückt betritt, sagt frei stehend aus. Er drückt sich auf französisch aus. Er erzählt seine Schulung und das Medizinstudium, seine erste Heirat, der plötzliche Tod seiner ersten Frau die, so erklärt er, an Thrombose, nach Einnamhe eines zu stark dosierten Verhütungsmittels gestorben ist. Er ewähnt seine zwei Kinder, Boris et Diana, seine zweite Heirat kurz nach dem Tod seiner ersten Frau, die Zeit in Marokko wo er als Arzt im Spital von Casablanca und im Einwandererdienst der Regierung arbeitet.
Danach spricht er von seiner Beziehung mit Danielle Gonnin-Bamberski, die seine dritte Frau wird. Nach zweieinhalb Jahren in Casablanca kehrt er nach Deutschland zurück und eröffnet eine Klinik in Lindau, wo er ein respektierter Arzt wird. Erst als ihn die Gerichtspräsidentin eindringlich befragt erwähnt er seine “Dummheit” von 1997 (die Vergewaltigung von Lora Stehle), die ihn seine Berufsbewilligung gekostet hat. D. Krombach bestätigt aber, trotzdem in Vertretungen gearbeitet zu haben.

Monika Hentzes Bruders und Schwester : widersprüchliche Aussagen Der Bruder : “Krombach war gewalttätig mit Monika und mit ihrem Sohn, meine Eltern, die heute verstorben sind, haben es in einem Tagebuch vermerkt”. Die Schwester : “D. Krombach war nie gewalttätig, mein Bruder lügt une meine Eltern lügten ebenfalls”. Als er zu diesen Aussagen befragt wird, lehnt D. Krombach jegliche Gewalttätigkeit ab. Er gibt jedoch zu, dass Monika schon mit fünfzehn Jahren abtreiben musste. Auch ihr verabreichte er Spritzen, « gegen Anemie », erklärt er.
Die Gerichtspräsidentin bemerkt, dass alle seine Gattinen beträchtlich jünger waren als er. Gemäss verschiedener übereinstimmender Zeugenaussagen war er grosszügig und lebensfreudig, hatte aber nicht viele Freunde. Ob er D. Gonnin treu war ? Ja, antwortet er, aber es stellt sich in der Folge heraus, dass er auch sie laufend betrogen hat. Als die Gerichtspräsidentin ihn über die Vergewaltigung der sechzehnjährigen Lora Stehle befragt, erklärt er, sie sei bezahlt worden um ihn in eine Falle zu locken, damit er seine Klinik schliessen müsse. Warum er trotz seines Berufsverbotes weiter als Arzt tätig gewesen sei, fragt ihn die Präsidentin. Er habe eine zeitlich beschränkte Arbeitsbewilligung gehabt, behauptet er.
Die Präidentin liest das (auf französisch übersetzte) Urteil, das 1997 in der Affäre Lora Stehle gefällt wurde. Lora Stehle kam in seine Klinik für eine Endoskopie, eine Untersuchung die manchmal mit einer leichten lokalen Anästhesie durchgeführt wird. D. Krombach hat der jungen Lora eine starke Mixtur von Schlafmitteln eingespritzt (Atropine : 15 mg, Dormicom : 10 mg, Valium,…) bevor er sie vergewaltigt hat.
Im Gefängnis von Fresnes, in Frankreich, unternimmt D. Krombach Versuche die Krankenschwester zu verführen, heisst es im Bericht über seine Haft in Frankreich. Der Vertreter des Staatsanwalts erwähnt die Tatsache, dass mehrere Klagen für sexuelle Delikte eingegangen sind, als D. Krombach im Jahre 2007 in Coburg für Betrug und illegaler Berufsausführung vor Gericht war. Auch erinnert er an die Affäre Dr. Grosse, der sich angeblich umgebracht hat, was seine Mutter jedoch bezweifelte. Nach seinem Tod hat sich D. Krombach sofort der Witwe angenommen und hat mit ihr Grosses Klinik weitergeführt.

Danielle Gonnin, Bamerskis Ex-Frau die D. Krombach heiratet : Kühle und Zwiespalt Bamberskis ex-Frau unterstreicht D. Krombachs Anziehungskraft, aber auch seine Unstetigkeit schon vor Kalinkas Tod und auch danach. Sie hat sich zwei Jahre nach diesem Ereignis von ihm getrennt, da sie nach dem Verlust ihrer Tochter seine Abenteuer nicht mehr ertrug. D. Krombach, so D. Gonnin, wollte immer Verbote überschreiten, wie dies auch der Fall war als er sie verführte : schliesslich war sie eine verheiratete Frau mit zwei Kindern. Sie erwähnt auch seine Reiselust, seine Verschwendsucht, seine Vorliebe für Risiken (er war auch Amateurpilot). Gleichzeitig war er aber auch ziemlich ängstlich.
D. Gonnin sagt auch sie habe das gerichtliche Dossier erst dank dem Untersuchungsrichter entdeckt, und sie wünscht jetzt die Wahrheit zu erfahren.
D. Krombach bestreitet seine angebliche Vorliebe für sehr junge Mädchen : er sei nur immer wieder - und auf jeden Fall in drei konkreten Fällen - von jungen Frauen bedrängt worden, die von ihm ein Kind wollten. (!)

Klaus Gebath von der Kriminalpolizei : « In dieser Geschichte ist Alles erstaunlich » (deutsche Zeugenaussage mit französischer Simultanübersetzung) Dieser Polizist der Kriminalpolizei hat das Dossier bezüglich Kalinkas Tod aufbewahrt, anstatt es nach fünf Jahren zu vernichten wie das normalerweise geschieht. Er dachte es könnte noch gebraucht werden. Zur Zeit der Ereignisse wird er zu spät benachrichtigt (36 Stunden nach dem Eintritt des Todes), und dazu noch - seltsamerweise - vom Beerdigungsdienst ! Kalinkas Körper befindet sich zu jenem Zeitpunkt in einen nicht gekühlten Raum des Spitals, was ebenfalls nicht normal ist. Herr Gebath kann also seine Inspektion nicht wie gewöhnlich durchführen, was er dem Gerichtsmediziner vorhält. Er verlangt eine Autopsie, der er persönlich beiwohnt. D. Krombach versucht ebenfalls bei der Autopsie dabeizusein, was jedoch nicht bewilligt wird. Er wartet also vor dem Saal in dem die Autopsie durchgeführt wird. Auf dem Körper des toten Mädchens sind keine Spuren von Gewalttätigkeit zu entdecken. Gemäss Herr Gebath ist die Dekomposition des Körpers schon erstaunlich weit fortgeschritten.
“Warum haben sie keine Untersuchung eingeleitet ?” fragt ihn die Gerichtspräsidentin. “Das wäre sehr unvorteilhaft gewesen für die Famile Krombach”, antwortet Herr Gebath. Im Jahre 1983, befragt er D. Krombach am Telefon und erhält von ihm eine schriftliche Aussage zu den Ereignissen. Die Gerichtspräsidentin fragt, ob dies häufig so verlaufe, was Herr Gebath verneint. “Wo sind wohl die Genitalien des Mädchens (die verschwunden sind) ?” fragt die Präsidentin. Herr Gebath antwortet, das wisse er nicht, man habe sie vielleicht nach der Autopsie « verlegt ». “Veilleicht hat man sie, zum Beispiel, versehentlich in den Thorax plaziert”. (!)
Für K. Gebath bleibt der Tod ungeklärt, “was eben manchmal passiert”. Nach anfänglichen Zweifeln, legt K. Gebath das Dossier beiseite. Maître de Caunes gibt seinem Erstaunen Ausdruck : obwohl die Todesursache unbekannt war, war ursprünglich eine Kremierung vorgesehen (was A. Bamberski im letzten Moment verhindern konnte) ?!

Doktor Jobst, Notfallarzt : Ausfälle und Tatenlosigkeit (deutsche Zeugenaussage, mit französischer Simultanübersetzung) Nach der Entdeckung Kalinkas leblosen Körpers, wird Herr Dr. Jobst als Notfallarzt benachrichtigt. Er kommt zu Dr. Krombach und füllt den Totenschein aus, mit der Anmerkung « unerklärter Tod ». Er hat alle genaueren Ereignisse dieses Tages vergessen. Er erinnert sich an keinerlei Spuren von Gewalt auf dem Körper des verstorbenen Mädchens. D. Krombach erklärt ihm, sie habe am Vorabend einen Sonnenstich gehabt.
Herr Dr. Jobst lässt seinen Kollegen selbst die Polizei zu benachrichtigen, was dieser dann nicht getan hat (er hat sich direkt ans Beerdigungsinstitut gewendet). « D. Krombach war ein sehr bekannter Arzt, und die Angelegenheit war privat”, sagt Dr. Jobst um seine Passivität zu erklären. “Die Spritzen, die D. Krombach dem Mädchen offenbar zur Reanimation verabreicht hat, waren natürlich völlig sinnlos”, fügt er noch hinzu.

Professor Schönhofer, Pharmakologe : ein Rufer in der Wüste(deutsche Zeugenaussage, mit französischer Simultanübersetzung) Professor Schönhofer war von der Staatsanwaltschaft Kempten mit einer pharmakologischen Expertise beauftragt. In dieser Funktion hat er vergeblich versucht, das Gericht auf die Widersprüche zwischen Krombachs Aussagen und den medizinischen Tatsachen aufmerksam zu machen. Die chemischen Analysen zeigen, dass Kalinka kurz nach der Einspritzung die sie bekommen hat gestorben ist. Diese konnte ihr also nicht kurz vor oder kurz nach dem Abendessen verabreicht worden sein, da Kalinka am Abend noch lebte. Die Autopsie weist auf einen Erstickungstod, der durch das Wiederaufstossen unverdauter Nahrung herbeigeführt wurde, das heisst etwa drei bis vier Stunden nach der Mahlzeit.
Abgesehen von diesen Tatsachen, findet Herr Prof. Schönhofer den Gebrauch von Kobalt-Ferlecit um Anemie zu bekämpfen oder um Bräunungseffekte zu erzielen völlig unnütz und sogar gefählich, vor allem wenn das Präparat gespritzt wird. Auf jeden Fall könne das Aufstossen von eingenommer Nahrung nur in komatösem Zustand vorkommen. Und eine einzige Tablette Frisium könnte diesen Effekt nicht alleine erzielen. Hingegen bewirkt eine stärkere Dosis von Frisium einen einschläfernden Effekt. Trotz diesen Hinweisen von Prof. Schönhofer hat die Staatsanwaltschaft in Kempten den Fall nicht weiteruntersucht.
D. Krombach und D. Gonnin behaupten, Kalinka habe an Anemie gelitten und die Spritzen seien ein wirksames Gegenmittel dafür gewesen. Jedoch fehlt im Dossier jegliches medizinische Dokument das diese Aussagen unterstützen würde. Gemäss D. Krombach und D. Gonnin wurden die Spritzen nach dem Eintreten der ersten Blutung nötig, aber es stellt sich heraus, dass Kalinka schon davor Spritzen bekam… Die Gerichtspräsidentin bemerkt das grenzenlose Vertrauen das D. Gonnin D. Krombach anscheinend schenkte.

Nicolas Bamberski : schmerzhafte Erinnerungen Nach einigen allgemeinen Bemerkungen über das Leben mit seiner Schwester in Lindau, im Haus von D. Krombach, kommt Nicolas Bamberski auf den letzten Abend vor Kalinkas Tod zu sprechen. Er war damals elf Jahre alt, seine Schwester vierzehn. Nach einem schönen Ferientag, den die beiden schwimmend und spielend verbracht haben, bricht nach dem Abendessen ein bedeutungsloser Streit aus zwischen den beiden Geschwistern. Aus diesem Grunde will Nicolas nicht, dass sie in seinem Zimmer schläft. Kalinka übernachtet also in einem Zimmer auf dem Erdgeschoss, das auf einer Seite nur durch einen Vorhang geschlossen ist. Am nächsten Morgen wecken ihn die Sirenen des Krankenwagens…
Lange Jahre hat er es vermieden, an diese Ereignisse zu zurückzudenken. Jetzt aber will er die Wahrheit wissen. Er dreht sich zu D. Krombach und fragt ihn warum er, als Arzt, seine Kenntnisse nie dafür einsgesetzt hat diesen Tod aufzuklären. Nicolas Bamberski fügt noch hinzu, dass Kalinka hübsch und voller Lebenskraft war. Sie hatte wohl eine helle Haut, war aber keineswegs schwächlich oder leicht zu ermüden.
Seine Kindheitserinnerungen sind angenehm. D. Krombach war grosszügig mit ihm und mit seiner Schwester, und behandelte sie nicht anders als seine zwei eigenen Kinder. Er offerierte der ganzen Familie Freizeit, Geschenke, Reisen. Die vier Kinder verstanden sich gut untereinander.
Die Gerichtspräsidentin bittet ihn Krombachs Haus zu beschreiben, was er mit vielen Details zu tun weiss. Nicolas Bamberski glaubt nicht mehr an die These eines natürlichen Todes. Im Besten Fall handelt es sich um einen Unfall. Aber seit der Vergewaltigung von Lora Stehle, im Jahre 1997, hat er starke Zweifel bezüglich Krombachs Rolle im Tod seiner Schwester. “Was empfinden Sie heute für D. Krombach?” fragt ihn die Gerichtspräsidentin. “Mitleid, Neugier, und ein bisschen Hass” antwortet Nicolas Bamberski.

Abbruch des Prozesses « aufgrund der Gesundheitszustandes » D. Krombachs
Nach dieser beeindruckenden Zeugenaussage bricht der Prozess ab. D. Krombach und vor allem seine Anwälte merken wohl, dass die Akten nicht gut für sie stehen. Und schon tritt ein rettendes Herzproblem auf, wie jedes Mal als die Justiz - sei es die deutsche oder die französische - sich zu nahe für ihn interessiert. Von neuem befragt, findet der medizinische Experte, Dr. Bernard, immer noch, Krombachs koronarische Leiden seien nicht gravierend. Zwei weitere Experten nehmen hingegen Krombachs Aussagen ernster, und stützen sich auf dessen eigene Berichte um zwei Wochen absolute Ruhe zu verordnen. Da die Prozesse an einem französischen Geschworenengericht ausschliesslich mündlich sind, ist ein so langer Unterbruch unmöglich. Im Oktober 2011 (4.-21. Oktober) muss alles von Vorne beginnen.

Trotz dieses jähen Abbruchs, war der angefangene Prozess keineswegs nutzlos. Er hat die auf vielen Lügen und zusammenhangslosen Erzählungen ruhende Persönlichkeit Krombachs klar zum Ausdruck gebracht. Auch wurden die Rollen mehrerer anderer Personen deutlich : die Fehler der ersten Personen die nach Kalinkas Tod zum Einsatz kamen, und das blinde Vertrauen das Danielle Gonnin D. Krombach schenkte.
All diese Tatsachen wurden von der Presse wiederaufgenommen und werden hoffentlich A. Bamberski nützlich sein.


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